07. August – Ein persönliches Wort zum Thema Respekt

Vor zwei Tagen sind nun die ersten Asylbewerber in das Objekt in Häslich eingezogen. Bislang verläuft das Zusammenleben ohne Probleme und Auffälligkeiten. Es ist 24h lang ein Betreuer im Objekt, und die Kamenzer Bildungsgesellschaft und freiwillige Helfer kümmern sich um so profane Dinge wie einkaufen gehen oder rufen im Bedarfsfall auch mal den Arzt an (wie gestern geschehen).

An dieser Stelle möchte ich mir mal einen persönlichen Kommentar erlauben, wenngleich die Seite hier lediglich der weitestgehend neutralen Berichterstattung dient.

Gestern fand eine Spontandemo von einigen Personen vor dem Objekt statt. Es wurden Flaggen geschwenkt und es gab auch einige Diskussionen mit der später eingetroffenen Polizei, welche die Demo dann auch auflöste. Ich halte diese Art und vor allem den Ort der Kritik für unangebracht und fehlgeleitet.

  • Zuerst einmal hat der Landrat dass, was er uns mehrfach versprochen hat, eingehalten. Es sind derzeit ausschließlich Familien da. Man weiß zwar nicht, wie es weiter gehen wird, aber das ist der aktuelle Stand.
  • Es sind Frauen und kleine Kinder, zumeist aus Kriegsgebieten, die bislang in keinster Weise negativ aufgefallen sind.
  • Es ist eine 24h Betreuung gewährleistet.

Es wurden also bislang alle Zusagen seitens des Landkreises eingehalten und die befürchteten Probleme blieben aus. Was die Zukunft bringen wird, weiß keiner, aber es geht mir nur um den aktuellen Stand.

Ich für meinen Teil verhalte mich denen gegenüber respektvoll , die sich mir gegenüber respektvoll verhalten, unabhängig von der Herkunft und der Religion. Von daher halte ich es für falsch, den Unmut über eine verfehlte Asylpolitik und einen vollkommenen Mangel an Organisationstalent und Kommunikationsfähigkeit jetzt den Menschen gegenüber zum Ausdruck zu bringen, die für die deutsche Politik und die Behörden nun einmal rein gar nichts können. Da fehlt es mir an Respekt für die Menschen, die dort Zuflucht gesucht haben.

Ich bin froh, dass sich nur so wenige Personen der Spontantdemo angeschlossen haben und hoffe, dass die derzeitig sehr ruhig Lage am Objekt dazu beiträgt, auch bei den Spaziergängen deeskalierend zu wirken.

Dass das Objekt vollkommen ungeeignet für die Aufnahme von Flüchtlingen ist, dass die Art und Weise der Vorbereitung und der Kommunikation zwischen Landkreis und Bevölkerung indiskutabel ist und dass in vielen Dingen der Asylpolitik fünfe nur allzu gern von den Behörden gerade gebogen werden, dass ist eine andere Sache und die gehört auch weiterhin kritisiert. Denn ohne Kritik wird sich nichts verändern. Aber die Kritik muss man an der richtigen Stelle anbringen, sondern verpufft sie oder schlägt ins Gegenteil um.

Dass es unzweifelhaft Asylbetrüger bzw. Asyltouristen gibt, welche die derzeitig völlig überforderte Asylpolitik schamlos ausnutzen und sich hier gütlich tun oder ggf. sogar kriminellen Machenschaften frönen, ist auch unbestritten. Diese gehören auch nicht hierher und es muss möglich sein, diese schnellstmöglich wieder abzuschieben. Aber es gibt auch solche, die einfach nirgend woanders hin können und denen gehört unsere Hilfe und unsere Aufmerksamkeit, zumindest aber unser Respekt, sie in Frieden zu lassen.

Und ich verwehre mich gegen den rechten Eindruck und das rechte Image, was das Haselbachtal durch die ganzen Aktionen so langsam bekommt. Das ist nicht der Ort, den ich kenne und liebe und so sind wir auch nicht!

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