01. Oktober – ein paar Gedanken zur Asylpolitik

Jetzt, gut zwei Monate nach dem Erstbezug des Heimes hier in Häslich kann man konstatieren – wir haben bislang richtig Glück gehabt. Glück mit den Bewohnern des Heimes, Glück mit der Betreuung, Glück mit dem Miteinander im Ort. Obwohl die Stimmung vor der Ankunft der ersten Flüchtlinge, aber auch danach nicht immer die Beste war, hat man sich aneinander gewöhnt und findet auch in Gesprächen und mit Hilfsbereitschaft und Gesten zueinander. Vor allem die Kinder haben sich schnell eingewöhnt, was sich nicht zuletzt durch den Besuch der Schule und der KiTa in Bischheim noch verstärken dürfte.

Lars Hillmann vom Verein “Haselbachtal hilft” hat sich in einem Blogpost heute durchaus kritisch mit der Situation auseinandergesetzt.

Ich stimme ihm in vielen Teilen zu. Aber man darf nicht vergessen, dass die Befürchtungen der Menschen in unserem kleinen Ort zwar hier nicht eingetreten sind, dafür aber anderen Stellen ihr hässliches Gesicht zeigen. Schlägereien, Vergewaltigungen, Hehlerei, Bandenkriminalität – das sind alles Dinge, die durch den massiven Zustrom von Flüchtlingen und die chaotischen Zustände in den Erstaufnahmelagern zugenommen haben. Berichte von Freunden aus Meißen oder selbst aus Polizeikreisen zeigen mir, dass wir hier wirklich “verdammtes” Glück gehabt haben. 

Wenn man also die Kritik der Bürger einmal differenziert betrachtet und sich damit intensiv auseinandersetzt, dann erkennt man durchaus an vielen Stellen eine Berechtigung. Auch die Rede des Innenministers des Saarlandes, Klaus Bouillon, legt die Probleme offen, die für viele Menschen Anlass zur Sorge schon seit Monaten sind:

#Innenminister Klaus Bouillon hat heute im saarländischen Landtag zur Flüchtlingssituation gesprochen. Für alle, die es nicht live sehen konnten:

Posted by Ministerium für Inneres und Sport des Saarlandes on Mittwoch, 23. September 2015

Es ist also nicht unbedingt zielführend, allen beteiligten Parteien nur ein Schwarz/Weiß-Denken vorzuwerfen, denn hier gibt es unglaublich viele Facetten der Kritik, die ernst zu nehmen sind.

Die Lage ist ernst, aber es gibt auch immer wieder Situationen, die Anlass zur Hoffnung geben, weil sie einfach so entspannt und normal erscheinen. Und mit Hoffnung meine ich eine gesittetes und menschliches Miteinander.  Im Heim befinden sich beispielsweise 5 Albaner, deren Asylantrag offenbar abschlägig beschieden wurde und die in den nächsten Tagen ihre Heimreise wieder antreten. Ohne Gewalt, ohne Repressalien, sondern ganz normal. Nachdenklich stimmt mich aber in diesem Fall, dass unter den 5 Personen auch eine studierte Krankenpflegerin ist, deren Hilfe man hier sicherlich auch weiter gebraucht hätte.