27. Juni – Über die Gruppe Haselbachtal hilft

Zum Thema Asylbewerberheim in Häslich haben sich in den vergangenen Monaten mehrere Gruppen gebildet, die das Heim entweder komplett ablehnen, oder die Zu- und Umstände im Zusammenhang mit dem Ausbau kritisieren oder die sich als Unterstützer für den Austausch und die freundliche Aufnahme der Asylbewerber anbieten. Um hier ein möglichst neutrales Bild zeigen zu können, ist es mir wichtig, alle Seiten so gut wie möglich zu präsentieren. Da die Gruppe “Haselbachtal wehrt sich” auf Facebook schon genügend Publicity hat, habe ich die Möglichkeit genutzt, die sich mir geboten hat, als Stefanie Eisold von “Haselbachtal hilft” auf mich zu kam. Ich habe ihr, bzw. der Gruppe, ein paar Fragen gestellt, deren Antworten ich nun hier veröffentlichen darf.

Wie werden Sie den Einzug der Asylbewerber begleiten?

Es gibt in der Gruppe ein paar Leute, die die Asylbewerber willkommen heißen möchten. Zu dieser Gelegenheit kann man schauen, wer nun eigentlich vorerst kommt. Es ist auch eine guter Anlass, Kontakt aufnehmen und zu schauen, was gebraucht wird. Bisher gibt es eine Menge Vorarbeit, die schon vor dem Einzug ansetzt. Zum Beispiel hatte diese den Tag der offenen Tür zum Ergebnis. Es wurde unter anderem darauf hingearbeitet, dass qualitative Betreuung vor Ort gewährleistet ist. Wir stehen deshalb mit der Kamenzer Bildungsgesellschaft in Kontakt. Was für die Asylbewerber eventuell sehr wichtig sein wird, sind freiwillige Helferdienste. Es wurden Leute für verschiedene Aufgaben zusammengesucht (und wir sind immernoch auf der Suche nach Verstärkung). Das fängt bei Kuchen backen und Spenden anfragen/beitragen an und hört bei Übersetzungen oder Begleiten zum Einkaufen nicht auf. Was konkret zum Einsatz kommen wird, kann sich zeigen sobald die Unterkunft eröffnet ist.

Wir lernen bei unserem Vorgehen auch von anderen Asylunterkünften und Initiativen.

Wo liegen Schwierigkeiten bei der Integration in die Gemeinde?

Vielleicht muss man da erst einmal sagen, dass es eine richtige Integration nicht geben kann. Dafür ist die Zeit des Aufenthaltes voraussichtlich zu gering und man weiß ja generell nicht, wie lang jemand bleiben darf. Die Unterkunft ist nicht dafür gedacht Leute unterzubringen, die schon eine Zusage auf ihren Antrag haben, sondern Bewerber so lang zu beherbergen bis eine Entscheidung gefallen ist. Am ehesten sehen wir Schwierigkeiten in möglichen Streitigkeiten zwischen den Asylbewerbern selbst und zwischen Asylbewerbern und Anwohnern. Da hilft es am ehesten den Kontakt zu halten und möglichst früh zu erfahren, was die Konflikte auslösen könnte. Für Konflikte innerhalb der Unterkunft kann schon ein Tausch der Zimmer sehr hilfreich sein. Für außerhalb ist natürlich wichtig Leute zur Verfügung zu haben, die übersetzen können und bereit sind zu schlichten.

Konflikte aufzuspüren wird auch Aufgabe der KaBi sein.

Wie empfinden Sie die Unterkunft für die Asylbewerber?

Die Unterkunft ist für die geplante Anzahl an Leuten klein, da jedem Asylbewerber nur 6qm Wohnfläche zustehen. Das ist leider generell so. 

Bei der Besichtigung ist aufgefallen, dass die Anzahl der Toiletten gering ist. Die Inneneinrichtung ist spärlich und es fehlen noch einige Sachen, die man im Haushalt braucht. Der nutzbare Außenbereich ist eine gute Sache. Es gibt hinter dem Haus einen überdachten Aufenthaltsbereich mit Stühlen. Das ist eventuell eine gute Aufenthaltsmöglichkeit solange es warm ist. Die Wohnräume, welche man besichtigen konnte, sind hell und sauber. Sichtschutz fehlt für einige Fenster noch. Die Entfernung zum Nachbarhaus ist teilweise gering und wir denken auch über Verbesserungen für diesen Umstand nach.

Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ist vor allem in den Schulferien nicht ausreichend gegeben. Den Bewohnern müssten Fahrräder zur Verfügung gestellt werden, um mindestens den nächsten Bahnhof in Gersdorf schnell erreichen zu können. Von dort ist die Anbindung nach Kamenz und Dresden gut. In Gersdorf gibt es auch die nächste größere Einkaufsmöglichkeit.

Zum Schluss noch ein persönliches Wort von Frau Eisold:

Für all die Streitigkeiten, Missverständnisse, Versprechungen und Diskussionen um die Asylunterkunft können die zukünftigen Bewohner und auch zum Großteil die Anwohner nichts. Das wollen wir voneinander getrennt betrachten. Wir wollen, dass Anwohner und Asylbewerber keine Angst voreinander haben (müssen) und in einem möglichst friedlichen Miteinander oder zumindest Nebeneinander leben können. Das geht nur mit Kommunikation und dem rechtzeitigen Handeln, wenn doch etwas ganz falsch laufen sollte. Das ist wohl im Sinne aller, denke ich.

Vielen Dank für diese Antworten.

Wie es nun weitergeht, lässt sich schwer vorhersehen. Es wird immer noch gebaut und nach wie vor hängen in unregelmäßigen Abständen beschriftete Bettlaken am Zaun der Einrichtung, welche die Missstände und Baumängel anprangern. Speziell wird dabei auf die Themen Schimmel, Hygiene allgemein und offene Forderungen der Handwerker hingewiesen.

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Heute soll es auch wieder eine Demo von der Prelle zum Objekt geben. Mittlerweile hat die Alte Schule eher den Anschein eines Gefängnisses denn eines Heimes, in dem Menschen wohnen sollen.

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Videokameras auf den Eingang und den Außenbereich, ein 1,80m hoher Zaun und eine Voll-Metall-Eingangstür. Der tägliche Anblick dieses “Dings” tut einem schon weh, wenn man weiß, was das Gebäude einmal war – Schule, Kinderkrippe und Kinderhort.

Ein Gedanke zu „27. Juni – Über die Gruppe Haselbachtal hilft“

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